Kamishibai: „Abtauchen in die japanische Erzählkunst“

Das japanische Papiertheater übt eine starke Faszination auf alle aus, die mit ihm in Kontakt kommen – und es dann auf die eine oder andere Weise auch bleiben. Vor etwa einem Jahr lernte ich Helena Daniel kennen. Sie studiert interkulturelle Kommunikation und fragte bei uns im himmelbau per Mail an, ob sie für einige Monate das verpflichtende, berufsbegleitende Praktikum bei uns im Verlag absolvieren könne.

Wie sich herausstellte, stieß Helena genau zur richtigen Zeit auf uns „himmelbauerinnen“

Wir planten nämlich gerade zusammen mit dem Kölner Kulturverein kunstkönner e.V. umfangreiche Fortbildungen und Workshops, gefördert unter anderem von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, vom Deutschen Kinderhilfswerk und von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Das Ziel: möglichst viele Multioplikator*innen von der Kunstform Kamishibai überzeugen und sie begeistern, und damit dann noch viel mehr Kinder erreichen, die von diesem großartigen Einstiegsmedium profitieren könnten. In der Sprach- und Sprechförderung, als kreativer Impuls für eigenes Erzählen, als Brücke zu einem riesengroßen, phantastischen Reich der Buchstaben, Wörter, Sätze, Geschichten. Helena wurde also Praktikantin im himmelbau – und das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft :-)

Helena setzt ihren Schwerpunkt bei ihrer nun anstehenden Masterarbeit auf Kamishibai!

Wundervoll für dich, liebe Helena, mindestens genauso wundervoll für uns im himmelbau! Danke für dein Engagement und deinen Einsatz – und danke für deinen tollen Bericht über deinen Weg zum Kamisibai. Den könnt ihr hier nachlesen:

 

Vor ein paar Tagen erhielt ich von meiner Professorin eine Mail mit der Zusage, meine Masterarbeit zu betreuen. Kamishibai kenne sie zwar nicht, aber sie fände das Thema sehr spannend. Noch vor einem Jahr, sagte mir der Begriff Kamishibai auch nicht viel. An der Grundschule, an der ich als Gruppenleitung im Offenen Ganztag arbeite, gab es zwar seit langem einen Holzrahmen, aber noch nie hatte ich miterlebt, dass er auch tatsächlich zum Leben erweckt wurde.

Das änderte sich aber blitzschnell, als ich mein Praktikum beim himmelbau Verlag & dem KunstKönner e.V. begann. Als ich Anni & Daniela über Zoom kennenlernte, merkte ich direkt, wie verzaubert sie von diesem Medium waren. Man könnte also sagen, ich stand am Kamishibai-Pool und guckte neugierig über den Beckenrand.

Mit einem Kopfsprung rein ins Wasser ging es dann durch die Online-Fortbildung, die im Rahmen von Auf!leben nach Corona und mit Hilfe der DSEE umgesetzt werden konnten. Ich assistierte hierbei der Referentin und Kamishibai-Expertin Carmen Sorgler in organisatorischen Dingen wie Teilnahmelisten, Protokollen und Handouts. In erster Linie lernte ich aber einfach ganz viel Neues und konnte Kamishibai als tatsächliche Erzählkunst erfahren und mich, zusammen mit den anderen Teilnehmenden, von der Begeisterung vom japanischen Papiertheater anstecken lassen. Wir lernten den Ursprung und die Geschichte von Kamishibai kennen, erarbeiteten gemeinsam die Regeln und Rituale, sowie die Unterschiede zum Bilderbuch. Besonders spannend fand ich die Seminareinheiten, in denen wir besprachen, wie Kamishibai als Herzöffner und Werkzeug zur Sprachforderung genutzt werden kann und auch bei mehrsprachigen, heterogenen Gruppen funktioniert. Sorgler richtete die Seminare immer auf die Fragen und Bedürfnisse der Teilnehmenden aus und ließ viel Raum für den Austausch und das Ideensammeln im Plenum. Gleichzeitig strahlte sie aber auch eine große Klarheit und Expertise aus, von der wir alle profitierten. Besonders das Konzept von „Ma“ hat viele Kursteilnehmer*innen begeistert – mich eingeschlossen. Als eine von zwei Qualitäten von Kamishibai beschreibt Ma den Raum für das eigene Empfinden. Es drückt sich über die Reduktion, die den Illustrationen und dem Text an sich schon gegeben sind, sowie in der ruhigen Vortragsweise aus. Aus der Zuschauerin-Perspektive ein Genuss!

Doch beim Zuschauen blieb es natürlich nicht. Wie für andere Teilnehmende der Fortbildungen ging es nach diesem wunderbaren Input ans Eingemachte. Im Zuge der Förderung von Auf!leben nach Corona durfte ich für die KunstKönner an meiner Grundschule eine eigene Kamishibai AG starten und das Neugelernte direkt erproben. Eine spannende Zeit für mich und die teilnehmenden Kinder. Ich stellte fest, dass man mit Kamishibai noch viel weiter rausschwimmen oder abtauchen konnte, als ich bisher gedacht hatte. Die Kinder waren direkt mit an Bord. Das Wort Kamishibai lernten sie schneller als so manche Erwachsenen, sie waren begeistert vom Gong-Ritual und von der Magie, die vom Öffnen des Rahmens ausgeht. Am Ende der Geschichten ergaben sich fast immer wie von selbst Themen, zu denen die Kinder gerne noch etwas erzählen wollten. Bereits nach ein paar Vorführungen erkannten sie die Elemente, die Kamishibai besonders machen und konnten bald Geschichten mit selbst gestalteten Bilder fortsetzen. Später bauten wir kleine Taschen-Kamishibai zum mit nach Hause nehmen und alle Kinder entwickelten eigene Geschichten, die sich gegenseitig vorgeführt wurden. Ich stellte allerdings auch fest, dass Kamishibai, wie jede Kunstform, von Übung profitiert. Gerade das wunderbare „Ma“ war gar nicht so leicht zu transportieren und es erforderte einiges an Konzentration, nicht durch die Geschichte zu hetzten, die richtigen Pausen zu setzten, beim Ziehen der Bildkarten nicht zu sprechen und Ruhe zu bewahren. Mit Sicherheit macht das auch einen Teil der Faszination aus – es gibt noch so viel zu Lernen und zu Entdecken. Kamishibai ist ein Thema, in das ich abgetaucht bin und das mich inzwischen in vielen verschiedenen Lebensbereichen begeistert. (Helena Daniel)

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